svartälven nord


Tag 1
Wie so oft sind wir ohne feste Planung nach Schweden aufgebrochen. Im Gepäck drei Wochen Zeit, Karten, Reiseführer und eine Menge Abenteuerlust. Am ersten Tag fahren wir mit dem Auto bis zum Vänernsee. In der Nähe von Mariestad auf dem Torsö-Campingplatz übernachten wir.

 



Tag 2
Als wir am nächsten Tag weiterfahren, ist noch ungewiss, wo wir Kanu fahren werden. Aber der Zufall kommt uns zu Hilfe. Zur Mittagszeit halten wir an einer Raststätte und der Besitzer empfahl, neben seinem sehr leckeren Kartoffelauflauf, den Svartälven, als phantastischen Revier für eine mehrtägige Kanuwanderung. Im „Hällefors Vandrarhem & Kanotcenter“ mieten wir einen Canadier. Die Besitzer, Els und Sico, helfen bei der Tourenplanung. Nach Kaffee, Keksen und vielen Informationen fährt uns Sico, mit Kanu und Ausrüstung, zum Startpunkt nach Tyfors. Der Transfer dauerte ca. 1,5 Stunden.
Das Wetter ist sommerlich mild und die Landschaft wunderschön. Plitsch-Platsch tauchen die Paddel in das glitzernde Wasser. Schnell haben wir unseren Rhythmus gefunden. Es ist inzwischen später Nachmittag. Zeit sich nach einem geeigneten Lagerplatz umzusehen. Gegen 20.30 Uhr wird es dunkel werden und dann leuchten einem hier draußen nur noch Sterne, Mond und Taschenlampen den Weg. In der Ferne sehen wir eine Flotte Kajaks und Canadier, die an einer Insel anlanden, aber die Gruppe zieht weiter. Als wir diese Insel erreichen, finden wir einen wunderschönen, wilden Biwakplatz mit Platz für zwei kleine Zelte. Hier richten wir uns wohnlich ein. Weil das kleine Inselchen kein Feuerholz bietet, paddeln wir mit dem Kanu ans Festland. Auf einer Rodung am Ufer sammeln wir in kürzester Zeit jede Menge prima Feuerholz. Das Kanu ist beladen wie eine chinesische Handels-Dschunke. Und obwohl wir bis weit nach Mitternacht ein kleines Lagerfeuer unterhalten, bleibt für nachfolgende Besucher noch ein hübscher Stapel Holz übrig.



 

 

 

Tag 3
Svartälven heißt übersetzt schwarzer Fluss. Das Wasser hier hat tatsächlich eine moorig braune Farbe. Wir haben das Wasser ohne chemische oder manuelle Aufbereitung getrunken, der Geschmack ist neutral. Früher wurde auf dem Svartälven Holz geflößt. Wie surrealistische Kunstwerke sehen die versunkenen Baumriesen aus, die rund um unseren Lagerplatz an diese Form der historischen Waldwirtschaft erinnern.

 

Ein schöner Morgen, auf den ersten Kaffee folgt die morgendliche Wäsche, dann das richtige Frühstück mit noch mehr Kaffee. Gegen Mittag ist alles gepackt und im Kanu verstaut. Heute stehen uns einige Portagen bevor. Da es früh dunkel wird und wir erst gegen Mittag lospaddeln, planen wir ca. 5 Stunden unterwegs zu sein und dann nach einem schönen Übernachtungsplatz zu suchen. Mit der Zeitplanung sollten wir uns gründlich vertan haben, aber dazu später.

 

 

Wir nähern uns der ersten Umtragestelle, Gustavsström. 5 m – Boot und Gepäck auf die andere Straßenseite schaffen und fertig. Wir trinken einen heißen Tee aus der Thermosflasche, knabbern einen Riegel und paddeln weiter.

 

 

Die zweite Portage ist Södra Laggen, 200 m lang. Da die Schotterpiste sehr uneben ist, benutzen wir den Kanuwagen nur um das Boot samt Kleinkram zu transportieren. Die schwereren Packsäcke tragen wir lieber extra. Mit drei mal Hin und Her pro Person haben wir es geschafft. Hinter den Wasserkraftwerken sprudelt und brodelt der Fluss. Man paddelt kurz durch quirlige Strömungen, aber schnell gelangt man wieder in ruhiges Wasser. Bei Portagestelle Nummer drei Norra Älvsjön, 150 m freuen wir uns schon, dass wir bald den für heute angepeilten Rastplatz  "Älvsjön" erreichen werden. Voller Elan buckeln das Gepäck über die staubige Piste und lassen das Kanu wieder zu Wasser. Am Wegrand finden wir riesige Maronen. Die Pilze werden wir uns heute Abend mit Sahnesauce und Nudeln schmecken lassen. Jepp Essen – es bilden sich Springbrunnen im Mund, die bedenklich an die Fontänen von Sanssouci erinnern, aber der knurrende Magen muss noch ein bisschen warten.

 

 

Es ist kurz nach 17 Uhr, als wir den Lagerplatz "Älvsjön" erreichen. Hier hat sich eine ältere Dame mit einem Campingwagen samt Vorzelt niedergelassen. Spinnwebengleich ziehen sich ihre Wäscheleinen über das Gelände. Das Plumpsklo ist mit Fotos ihrer Katze und einer Reihe ordentlich aufgestellter Toilettenartikel dekoriert. Später sollte uns Sico, der holländische Kanuverleiher aus Hällefors, erzählen, dass die Dame dort schon im letzten Jahr campiert hatte.

 

Inzwischen ist es zu kalt für die kurzen Hosen, wir ziehen uns wärmer an, essen eine Kleinigkeit und beschließen weiter zu paddeln.
Sicher finden wir unterwegs noch einen wilden Biwakplatz. Ansonsten müssen wir uns auf die vierte Portage des heutigen Tages einstellen, hinter der es laut Karte einen offiziellen Lagerplatz gibt.

 

 

Die vierte Portage ist Älvsjöhyttan, 300 m. Wie immer schauen wir uns die Portagestrecke vorher an und nehmen jeder schon einmal einen Packsack mit. Der Weg führt durch ein kleines Dorf.
Als wir auf der Brücke stehen und den weiten Blick über die wundervolle Landschaft genießen, hält ein Kleinwagen mit deutschem Nummernschild. Auf Schwedisch fragt uns eine freundliche Dame, wo sie hier Angelkarten kaufen kann. Sie freut sich, dass wir deutsch sprechen und unser Tipp mit der Jugendherberge in Hällefors gefällt ihr auch. Als das Auto weiter fährt, winken wir uns zu.

 

Der Weg, den wir nehmen müssen, zeichnet sich durch guten Straßenbelag aus. So können wir das Boot samt Gepäck mit dem Bootswagen auf einen Schlag bis zur Einsatzstelle rollen. Da wir das heute nicht zum ersten Mal machen, geht uns die Portage leicht von der Hand.
Der Lagerplatz direkt an der Einsatzstelle heißt "Älvsjöhyttan" und ist nicht nach unserem Geschmack. Das Vindskydd selber hat keinen Boden. Mehrere aufgerissene Mülltüten liegen herum, der Inhalt ist, wahrscheinlich von hungerigen Tieren, weiträumig verteilt. Ein öffentlicher Müllcontainer steht gleich oben am Weg. Wir fragen uns einmal mehr, warum Menschen sich so gleichgültig und verächtlich verhalten. Wir paddeln weiter.

 

 

In der Dämmerung tanzen schlanke Nebelgeister auf dem Fluss.
Vorhin haben wir eine Auerhenne beobachtet. Frank, der Glückspilz, hat einen Elch am Ufer gesehen! An einigen Biwakplätzen sind wir auch vorbei gepaddelt aber irgendwie wurde die Stimmung auf dem Fluss so unwarscheinlich schön, das wir einfach nicht stoppen mochten.


 

Heute war ein langer Tag. Müde, durchgefroren und extrem hungrig erreichen wir den offiziellen Lagerplatz "Vraket".  Er ist in jeder Hinsicht wunderschön. Schnell wird das Gepäck aus dem Kanu geräumt. Während wir eilig hin- und herflitzen, beobachtet uns ein neugieriges Eichhörnchen aus sicherer Entfernung. Das Zelt muss heute nicht aufgebaut werden, wir schlafen im Vindskydd.
Während wir noch mit unserem Gepäck beschäftigt sind, höre ich es am Dach des Unterstandes rascheln und schaben. Richtig, mir war vorhin etwas kleines, blitzschnelles aus der Schutzhütte entgegen geflogen. Da brütet doch nicht etwa ein Vogel – um diese Jahreszeit! Ich leuchte mit der Taschenlampe ins Dunkel der Schutzhütte – nichts Verdächtiges zu sehen.

 

Nach acht Stunden paddeln kommen wir endlich aus den nassen Neoprenschuhen raus. Eine Wohltat, in trockene, warme Socken, lange Unterwäsche und die dicken Fleece-Jacken zu schlüpfen, da wird einem schnell wieder warm. Wir kochen Kaffee. Das Rascheln ist wieder zu hören. Mäuse? Mäuse im Herbst können aufdringlich sein. Sie sind nicht wählerisch und nagen an teurer Goretex Bekleidung mit ebenso ungenierter Begeisterung, wie an billigen Flip Flops. Im Laufe der Jahre hatten wir einiges an Materialschäden zu beklagen, was auf das Konto dieser, an sich possierlichen Tierchen ging. Daher sind sie bei uns auch nicht mehr so beliebt.

 

 

Mit der Taschenlampe bewaffnet schleiche ich um die Hütte.
Vielleicht sitzt der kleine „Raschler“ ja unter dem Wellblechdach. Und tatsächlich, in einer der halbrunden Wellen des Daches, ganz weit hinten, schält das Licht ein kleines Tier aus der Dunkelheit. Ich sehe nur den Hintern und für den Bruchteil von Sekunden ein Teil des Gesichtes. Schnell dreht das Kleine seinen Kopf weg, bäh, pfui Licht!
„Eine Maus ohne Schwanz – hat ihr wohl jemand abgebissen, einen extrem kantigen Charakterkopf hat sie auch“, vermelde ich dem Gemahl. „Hoffentlich beißt uns
das Vieh keine Löcher in die Schlafsäcke.“

Zur Sicherheit lassen wir die guten Daunentüten noch in den sicheren Packsäcken, während wir im Halbdunkel durch die Gegend streunen, um Holz zu sammeln.

 

Der Abend endet, wie fast alle perfekten Schwedenabende, mit Lagerfeuer, einer leckeren, warmen Mahlzeit und Gesprächen über die vielen Eindrücke des Tages. Vor allem das letzte Teilstück des Svartälven, das sich stark mäandrierend und schmal an den stillen, dämmrigen Ufern entlang zog hat uns fasziniert.
Wir spannen die Zeltunterlage vor den Vindskydd, um Feuchtigkeit und Wind auszusperren. Der Erste, der in die Koje kriecht, macht die Betten. Das ist meist Frank. In der Zeit räume ich draussen alles zusammen, was wir in der Nacht vor Regen, Wind, Tieren oder anderen Naturkatastrophen schützen wollen.

 

 

Tag 4

Das Wetter ist schlechter geworden. Zum Glück ist es nicht windig, aber kühl, und es regnet beständig vor sich hin.

Trotzdem ist es göttlich vom Klappern des Kochgeschirres geweckt zu werden. Noch schöner ist es, wenn gleichzeitig der Duft von Kaffee die Nase umschmeichelt. Passiert selten, aber heute habe ich Glück und der Gemahl ist als erster wach geworden. Also bleibe ich im warmen Schlafsack liegen und harre auf den Frühstücksservice. "Ich weiß, wer Deine Mäuse ohne Schwänze sind" murmelt Frank, während er mir eine Tasse mit duftendem Kaffee reicht. Nachts wurde er von einem merkwürdigen Schwirren und Flattern im Vindskydd geweckt. Ein halbes Dutzend Fledermäuse sausten durch den kleinen Unterstand. Schade, dass ich das verschlafen habe!

 


Gegen 11 Uhr sind wir wieder unterwegs.
Der Svartälven staut sich in einigen Bereichen zu Seen. Der Vintersjön ist einer davon. Hier mündet das schmale Flüsschen Tvärälven, durch das man mit gegen die Strömung paddelnd, den Mögreven (See) erreicht. Es soll dort, auf einer Insel, einen idyllischen wilden Biwakplatz geben. Den Tipp hatte uns Sico mit auf den Weg gegeben, für den Fall das wir die Tour noch um einen Tag erweitern möchten.

 

 

Unterwegs erkunden wir den offiziellen Lagerplatz "Vintersjön", der auf der Strecke liegt. Ich bin froh, die nassen Neoprenschuhe gegen die Wanderstiefel zu tauschen, denn ich friere wie ein Schneider. Im Nieselregen hocken wir auf einem Baumstamm, kochen Kaffee und bereiten Kartoffelbrei aus der Tüte zu. Als wir wieder ins Boot steigen, behalte ich die warmen Wanderschuhe an, die Neoprenschuhe lege ich griffbereit unter den Sitz.

Den Bach gegen die Strömung aufwärts zu paddeln ist eine üble Schinderei. Nach ca. zwei  Kilometern erreichen wir den Mögreven See. Gleich rechts an der Einmündung sehen wir den ersten wilden Lagerplatz. Dort machen wir eine kurze Rast, trinken den letzten Tee aus der Kanne und sammeln einige Pilze. Vom Ufer aus kann man schon die Insel erkennen. Da inzwischen Wind aufgekommen ist, sind wir froh, keine allzu weite Strecke über das offene Wasser vor uns zu haben.

 

Der wilde Platz auf der Insel ist ein Traum. Schnell laden wir das Kanu aus. Der Regen ist stärker geworden. Heute wird das abendliche Lagerfeuer wohl ausfallen. Das wenige Holz, was hier herumliegt, ist klatsch nass.
An der Feuerstelle wird das Tarp aufgebaut und nachdem unsere Besitztümer unter der schützenden Plane verstaut sind kochen wir erstmal Tee.

 


Bei unserer Ankunft entdeckte Frank tiefe Kratzspuren in einer Kiefer. "Was meinst Du was das ist?" fragt er. Die Art wie er fragt ist merkwürdig, er sieht so aus als erwarte er eine ganz bestimmte Antwort. Ich überlege und tippe auf Idioten, die ihre Fahrtenmesser an dem armen Baum ausprobiert haben. Frank dachte eher an einen Bären, der hier am Lagerplatz sein Gebiet markierte. Wir einigen uns zum Glück auf meine Version der Idioten, denn erstens habe ich gerne Recht, zweitens ungerne Angst und drittens ist es mit Bären in diesem Gebiet erwartungsgemäß nicht üppig bestellt. Der leise Zweifel, den Frank mit seiner kreativen Idee säte, motiviert uns jedoch zu einem kritischen Inselrundgang. Nachdem wir uns eine Stunde durch das mehr oder weniger dichte Unterholz gezwängt hatten ist der letzte Zweifel ausgeräumt. Keine Bären!
 Wir nutzen eine kurze Regenpause und bauen schnell das Zelt auf.

 

 

 

Zum Abendessen gab es Pilze, Sahnesauce und Nudeln. Ein schönes Feuer hatten wir auch noch. Das war eines dieser seltenen Geschenke, die einem manchmal gemacht werden: klein, unerwartet und sehr kostbar. Die Steine der Feuerstelle waren zusammen geschoben worden. Auch wenn ich nicht damit rechnete, dass wir heute die Lust aufbringen würden mit dem nassen Holz ein Feuer zu machen, wollte ich wenigstens dafür sorgen, dass die Steine einen hübschen Kreis bilden. Dabei stieß ich auf alte Glutreste, so hatten wir Ruckzuck ein warmes Feuerchen.

Trotz des ausdauernden Regens war auch heute wieder ein wunderschöner Tag.

 

 

 

5, Tag
In dieser Nacht hatten wir keinen tierischen Besuch. Der Regen hat sich fürs Erste verzogen und es ist etwas wärmer geworden. Das ausgedehnte Frühstück, bei einem Hauch von Sonnenschein, genießen wir sehr. Auch die Ausrüstung hat den Sonnenschein und den leichten Wind zum Trocknen dringend nötig.

 

 

Auf die Rückfahrt durch den schmalen Tvärälven freuen wir uns. Mit der Strömung brauchen wir kaum die Paddel zu bewegen und können die schöne Landschaft in Ruhe genießen. Anhand der Karte wählen wir den nächsten Lagerplatz, Risforsberget, aus. In drei bis vier Stunden sollte er, gemütlich paddelnd, zu erreichen sein.

 

Der Ausfluss des Sees in den Tvärälven Der Ausfluss des Sees in den Tvärälven


Die Fahrt durch den Tvärälven ist so, als gleite man schwerelos durch eine Märchenlandschaft. Wie von einem Zauber gefangen nehmen wir die Bilder in uns auf, lassen das Kanu treiben und vergessen Zeit und Raum. Plötzlich bimmeln Kuhglocken und wir entdecken etliche Rindviecher, die an einem unwegsamen Hang grasen und uns einsame Paddler interessiert mustern. Irgendwie recht weltlich – der Bann ist gebrochen. Viel zu schnell erreichen wir die Brücke, hinter der der Vintersjön liegt.



Kurz vor dem Lagerplatz gibt es eine erfreuliche, leichte Stromschnelle. Nomen est Omen, "Risforsberget" enthält das Wort „fors“, was Stromschnelle bedeutet. Es macht einen Heiden Spaß die kurze Schnelle zu fahren, aber so fix man drin ist, so fix ist man leider auch durch.


Der Lagerplatz "Risforsberget" liegt an einer schönen Sandbucht. Als wir anlegen fängt es wieder an zu regnen, ein beständiger leichter Landregen. Es ist völlig windstill. Die Wolken haben sich zu einer einheitlichen, hellgrauen Masse zusammen geschoben. Bei so einem Wetter ist man ganz entspannt, ruhig und ausgeglichen. Auch die Natur scheint in Lethargie zu verfallen. Nachdem wir das Kanu entladen haben sitze ich lange bewegungslos am Rand der großen Lichtung, gleich hinter dem Lagerplatz. In der Ferne höre ich, dass irgendetwas Großes durchs Unterholz streift, ein Elch, ein Reh? Leider lässt sich das Wesen nicht sehen.

 


Als ich zum Vindskydd komme, hat es sich Frank bereits auf einer Iso-Matte gemütlich gemacht. Da es regnet und im Moment keine drängenden Aufgaben anstehen, würde er sein behagliches Plätzchen freiwillig nicht so schnell aufgeben, warum denn auch?


Wenn man viele Jahre zusammen unterwegs ist, kennt man die Gebrauchsanweisung für seinen Partner und im Allgemeinen handeln wir beide danach. Das ist sicher einer der Gründe, weswegen alle unsere Touren sehr harmonisch verlaufen, obwohl wir sehr verschiedene Temperamente und Bedürfnisse haben.

Da noch Holzsammeln und Haare waschen, letzteres zugegebenermaßen, auf meinem Programm stehen, bemühe ich mich um sanfte Motivation und eine gewisse Unruhe im Umfeld des Gatten. Nach einem frisch gekochten Kaffee und einem kleinen Snack, begleitet von meinem begeisterten Geplapper über die super  Umgebung, bekommt Frank so langsam Lust aufzustehen und sich selber umzusehen und nebenbei das dringliche Feuerholz Projekt anzugehen.


Nachdem die Sommersaison beendet ist, sind die vorbereiteten Holzvorräte an den offiziellen Lagerplätzen oft verbraucht und man muss selber sammeln gehen. Das ist an diesem Lagerplatz richtig bequem. Die hiesigen Biber sorgen für einen beständigen Nachschub an gefällten Birken-Stämmchen. Wir legen hinter dem Vindskyyd einen üppigen Holzvorrat an, von dem wahrscheinlich noch mehrere nachfolgende Besucher zehren können.

Nachdem ein warmes Feuerchen brennt, machen wir uns ans Haare waschen, was selbst der uneitle Gatte inzwischen für angebracht hält. Ist das Wasser warm genug zum Schwimmen, reicht es uns, die Haare ohne Shampoo ordentlich im Wasser durch zu  wuscheln. Jetzt ist es uns zu kalt für diese Technik. Mit dem Kocher wird Wasser gekocht und zu dem kalten Wasser in die grüne Faltschachtel gegossen, das ergibt reichlich lauwarmes Wasser. In einem Becher verdünnen wir Shampoo mit viel Wasser. So vorbereitet geht es ans Werk.
Gegenseitige Hilfe macht die Prozedur leichter. Man beugt sich vor und mit einem sparsamen Schwall Wasser werden die Haare schon mal nass gemacht. Dann folgt eine Portion von dem verwässerten Shampoo und man kann wie gewohnt das Haar einschäumen, danach wird "klar gespült". Das macht man natürlich alles an Land, denn waschaktive Substanzen haben im Fluss nichts verloren.



Nachdem wir uns "Hygienetechnisch" auf den neuesten Stand gebracht haben und rosig sauber, wie frisch geschrubbte Ferkel glühen, kommt der gemütliche Teil des Abends.
Das Zelt bleibt heute in der Packtasche. Im Vindskydd schläft es sich sehr gut. Nur wenn es viele Mücken gibt, ein starker Wind direkt in den offenen Unterstand weht oder eine nervige Mäuse-Population die Ausrüstung bedroht, schlafen wir lieber im Zelt, dessen Aufbau wir uns heute dank der guten Bedingungen sparen.

6. Tag
Der Lagerplatz "Risforsberget" ist traumhaft schön. Wäre das Wetter besser, würden wir gerne noch einen Tag hier verbringen. Aber so zieht es uns weiter. Es ist heute windig und dunkle Wolken ziehen von Norden her über uns hinweg. Da wir nicht wissen wie sich das Wetter weiter entwickelt, wollen wir heute bis zum Lagerplatz "Avlegget",
der kurz vor Hällefors liegt paddeln. Bis dahin sind 2 Portagen und anhand der Karte grob geschätzte 22 km Strecke zu bewältigen.


Örlingsdammen, 300 Meter, die erste Portage dieses Tages. Der Ausstieg liegt an der Ostseite.

 

Wir schauen uns das Kraftwerk von der Schleusenbrücke aus an. Es hat die anheimelnde Atmosphäre einer ewigen Baustelle. Hinter den geöffneten Schleusentoren kocht und tobt das Wasser. Man kann von oben die erste Einsatzstelle, 100 m Portage sehen, die nur bei geschlossener Schleuse nutzbar ist. Wir packen Kanu und Ausrüstung auf den Bootswagen, der alternative Portageweg folgt einer ansteigenden  Asphaltstraße, die uns direkt in das Dorfchen Ny Örlingsdammen führt, wo sich die zweite Einsatzstelle befinden soll. 


Mit dem Kanuwaagen zuckeln wir über die schmale Asphaltstraße, vorbei an einem Waldstück, hier parkt ein Auto und zwischen den lichten Kiefern sammeln zwei ältere Herren mit praktischen Kammkisten Preiselbeeren.

Im Dorf angekommen sehen wir auch schon ein weiteres Hinweisschild. Es scheint über das private Grundstück eines liebevoll gepflegten Hofes zu gehen. Wir lassen Boot und Gepäck erstmal an der Straße stehen und fragen einen älteren Herren, der an der Scheune werkelt, ob das der richtige Weg zur Einsatzstelle ist und ob wir über das Grundstück dürfen. Er freut sich über mein gruseliges Urlaubs-Schwedisch. Ja wir sind hier richtig, Pause dürfen wir auch gerne hier machen, von den Handwerkern am Strommast sollen wir uns nicht stören lassen, die sind sowieso gleich fertig.


Wir karren das Kanu das letzte Stück des Weges zur Einsatzstelle. Das Wetter ist besser geworden und an einem sonnigen Platz auf einem Betonquader, wahrscheinlich befindet sich die Wasserpumpe für den Hof darunter, machen wir eine längere Pause. Der Handwerker, der mit Steigeisen am Strommast hängt, erinnert uns frappierend an das neugierige Eichhörnchen von einem der letzten Lagerplätze. Nach einer kurzen Rast paddeln wir weiter.

 

 

Silvergruvan. 250 Meter – normalerweise ...
Beim Transfer von Hällefors nach Tyfors sind wir hier vorbeigefahren. Sico, der Kanu-Verleiher, hatte uns auf die Baustelle aufmerksam gemacht und erklärt, dass die Arbeiter meist das Tor im Bauzaun offen lassen, damit die Kanufahrer an ihre Einsatzstelle gelangen können. In 1.5 Kilometer Entfernung gibt es aber schon eine neue Einsatzstelle, die demnächst genutzt werden muss.

 

Das Kraftwerk Silvergruvan liegt an einem kleinen Ort gleichen Namens. Durch die Großbaustelle am Kraftwerk sind derzeit verhältnismäßig viele Leute unterwegs. Als wir das Kanu am Straßenrand entlang schieben, spricht uns eine ältere Dame an. Sie erklärt uns den Weg zur neuen Einsatzstelle, shit, 1,5 Kilometer.

 

Vor der Hauptstraße lassen wir das Boot erstmal stehen und erkunden unauffällig, ob wir nicht doch irgendwo durch den Bauzaun schlüpfen können. Jepp, Einschlupf entdeckt! Das Tor ist nur angelehnt. Dummerweise spricht uns auf dem Rückweg zum Boot auch noch eine junge Frau an, die ganz offensichtlich auf der Baustelle arbeitet. Auch sie erklärt uns, erst mal auf Schwedisch dann, extra für Frank, auf Englisch den neuen Weg.


Wir holen das Boot und schieben es am Bauzaun entlang. Dabei streiten Frank und ich ob wir den "verbotenen Weg" nehmen oder "brav" die elend lange Strecke an der Landstraße lang juckeln sollen. Ich bin für brav, Frank für verboten. Als wir das Tor erreichen, setzt sich Frank, dank eines blitzschnellen Abbiegemanövers durch. Sehr weit ist der Weg bis zum Wasser zum Glück nicht, dafür anspruchsvoll!

 

... Die Räder des Kanuwagens versinken tief im weichen Sand und es geht über eine steile Böschung hinunter. Gepäck aus dem Boot, Kanuwagen abmontieren, Gepäck die Böschung runter werfen, Kanu hinterher schieben und ins Wasser setzen, Gepäck ins Boot, fertig. Meine Pumpe rast, für mich ist das purer Stress. So schnell haben wir das Kanu noch nie bepackt.

Von weitem sehen wir die junge Frau von eben mit zwei Arbeitern auf uns zukommen. Aber da sitzen wir schon im Boot und schwingen die Paddel. Es ist Geschafft!


 

Frank nörgelt noch ein bisschen rum, weil ich ihn beim Einladen so gehetzt habe. Es dauert fast 20 Minuten Paddelzeit, bis wir die neue Einsatzstelle sehen. Frank freut sich, dass er den Kanuwagen nicht bis hierher schieben musste. Für den heutigen Tag war das die letzte Umtragestelle. Nun sind es noch wenige entspannte Kilometer bis zum Rastplatz zu paddeln. Wir halten mehrmals an, um uns wilde Biwakplätze anzusehen und machen einen Abstecher in einen kleinen idyllischen Kanal. Am frühen Nachmittag erreichen wir den Lagerplatz "Avlägget".


 

Der Lagerplatz "Avlägget" liegt direkt neben einem Motorcross-Gelände. Eine Weile lang hört man im Hintergrund die Maschinen brummen. Aber nicht lange und es wird still.


Wir laden das Kanu aus und bringen das Gepäck zum Vindskydd. Nach Kaffee und einem kleinen Imbiss wird Holz gesammelt und die Gegend erkundet. Durch den lichten Wald ziehen sich die Spuren der Biker, die abseits des Übungsplatzes ihre Kreise gezogen haben. Sicher feiern die Motoradfahrer in diesem Unterstand auch die eine oder andere Grillparty. Vor dem Windschutzhäuschen liegt ein Teppich aus bunt gewebten Plastikstreifen. Eher ein Accesessoir für ein Gartenhaus. Wir schieben das reizende Stück unter den Vindskydd - zu viel Zivilisation.


Da auf diesem Platz eine Menge Mücken und ihre kleineren, gemeinen Freunde, die Knott  ihr Unwesen treiben, bauen wir diesmal das Zelt auf.

Unterwegs hatten wir Pfifferlinge gefunden. Mit Zwiebeln, der letzten Packung Sahne und Reis kochen wir daraus ein leckeres Wildnismahl.


 

7.Tag

Von dem Rastplatz "Avlägget“ sind es nur noch ca. fünf Kilometer bis nach Hällefors zu paddeln. Obwohl es windig geworden ist, legen wir das letzte Stück ohne besondere Vorkommnisse zurück. Schnell kommen die Schornsteine der kleinen Stadt in Sicht. An Portagen sind wir inzwischen gewöhnt und die 500 Meter vom Fluss bis zur Jugendherberge absolvieren wir ganz schnell.

 


Inzwischen haben sich die Wolken verzogen und die Sonne scheint wieder. Die geliehene Ausrüstung wird gesäubert und abgegeben. Die unsere im Auto verstaut. Wir ziehen uns um, tauschen die Trekkingsachen gegen Jeans und T-Shirt.


Els und Sico spendieren Kaffee und wir unterhalten uns eine Ewigkeit über Gott und die Welt und den schwarzen Fluss. Das war eine wunderschöne abwechslungsreiche Tour, die wir irgendwann wiederholen wollen.


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Aktuelles

Heute, den 22. August, geht es auf den westlichen Teil des Svartälven.